Flug des Frühlings

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Die Künstlerinnen Karin Mairitsch, Katrin Odermatt und Daniella Tuzzi fragen in ihrer Arbeit „Flug des Frühlings“ nach dem Zustand Europas und seines Wertegefüges. Die Befragung schliesst die Rezipient/innen mit ein: sie sind Teil der Frage und Teil der Antwort.

  1. Flug des Frühlings 1
    Flug des Frühlings 1
    Zeichnung auf Baumwollgewebe
    90.5×128cm
    Luzern, Schweiz
  2. Flug des Frühlings 1
    Flug des Frühlings 1
    Zeichnung auf Baumwollgewebe
    90.5×128cm
    Luzern, Schweiz

Zu diesem Zweck reinszenieren die Künstlerinnen mit ihrer Rauminstallation und der begleitenden Performance Handlungsmuster, die in den Medien stark präsent sind und als Destabilisierungsfaktoren Europas und seiner Werte kolportiert werden: Wir leben in einem Europa, das den Medien zufolge von Menschenmassen überrannt wird. Wir leben in einem Europa, das Mauern baut, in Schubladen teilt und denkt. Wir leben in einem Europa, das – beschäftigt mit sich selbst – Lücken zu füllen versucht. Wir hören auch kritische und reflektierte Stimmen, deren Aussagen vielfach ungehört und unverstanden bleiben. Wir erleben  ein Europa des Umbruchs, das im Aufbau, Umbau, Abbau begriffen ist, seine Grenzen neu auslotet folglich eingrenzt, abgrenzt, ausgrenzt, umgrenzt. Wir empfinden ein Europa, das während dieser Vorgänge zerbrechlich und fragil ist. Wir sehnen uns nach einem Flug des Frühlings, nach neuer Kraft, den Herausforderungen und der Konfrontation mit Ungelöstem zu begegnen...

In drei zueinander in Beziehung stehenden Exponaten sowie der Performance wird eine sinnliche, emotionale wie auch kognitive Befragung dieses sich in Bewegung befindlichen Europa möglich. Die Exponate und deren Begehung kontextualisieren die medial kolportierten Ursachen neu. Es sind nicht „Flüchtlinge“ oder „Politiker/innen“ oder „Eliten“ oder „irgendwer“, sondern die Besucher/innen selbst und die Performerin, die Spuren hinterlassen und damit die Grenzen Europas und seiner Werte neu definieren:
Die Schubladen [Katrin Odermatt] – Metapher unserer Denkweisen – werden zu Mauern rund um Europa . Sie werden während der Inszenierung stets auf- und umgebaut (von der Performerin und den Besucher/innen), sie sind mobil und vielgestaltig ein- und zusammensetzbar. Gleichwohl ist die Grenzziehung mittels Mauern angesichts der langen Aussengrenzen Europas und angesichts unendlicher Spielarten möglicher physischer und ideologischer Grenzsetzungen eine Sisyphos-Unternehmung.
Das in dünnem Gips gegossene Europa [Daniella Tuzzi] ist flach am Boden vor dem Eingang des Hörsaals aufgelegt, unbefleckt wirkend weiss, aber zwingend zu überqueren oder mindestens zu betreten, will man zum Vortrag in den Hörsaal gelangen . Die Besucher/innen und die Performerin werden dabei unausweichlich das Gips und damit einher-gehend: nationale Hoheitsgebiete – brechen, allenfalls einzelne Flächen (Nationen und Grenzen) verschieben oder übereinander lagern, vielleicht auch Schmutz auf dem eingeteilten Europa hinterlassen. Je nach Nutzungsfrequenz wird Europa am Ende der Begehung durchgehend oder partiell feine Risse aufweisen und aus gebrochenen Teilen bestehen. Denkbar ist sogar, dass die Besucher/innen Europa (oder Teile davon) in kleine Brösel zertreten haben werden.
Vorgelagert zu diesen beiden Rauminstallationen (Schubladenmauern und Gipseuropa) befinden sich die zu Bild gelegten Kurztexte [Karin Mairitsch]. Die Kurztexte kommentieren die Situation, in der sich Europa und die Besucher/innen momentan befinden, und lassen den Flug des Frühlings denken.
Die Performance [Zoe Darling] verbindet alle Komponenten der Rauminstallation miteinander und mit den Besucher/innen, indem sowohl die Texte als auch die Schubladen wie auch der Europagipsboden zum Arbeitsmaterial werden. Die (spontane) Interaktion mit Besucher/innen ist zentraler Teil der Performance.