Die Poesie der Fremde – Yabancinin sirii - Istanbul

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Die Künstler*innen Sinan Gültekin, Karin Mairitsch, Tayfun Pirselimoğlu und Özcan Uzkur erforschen in der Ausstellung «yabancının şiiri – die Poesie des Fremden» Phänomene des Fremd-Seins ebenso wie jene des Annehmens im Prozess des Aufeinandertreffens verschiedener Kulturen, insbesondere am Beispiel der Beziehungen zwischen Österreich (teilweise auch der Schweiz) und der Türkei. Die Künstler*innen reflektieren den Zustand des Fremdseins kritisch und rücken gleichwohl das Gemeinsame vor das Trennende, das Poetische vor das Entzweiende und das Annehmende vor dem Raubenden.

Mairitsch übersetzt das Thema mit Bild – Textarbeiten auf Stoffen, die türkischen Ursprungs und Herkunft sind. Die Bild – Text – Darstellungen in Kombination mit den Stoffen fungieren als Narrative und Kommentare des kulturellen Gedächtnisses, die die Topoi und Konstruktionen von Fremdheit und Andersartigkeit anklingen lassen und sie gleichzeitig als Artefakte bzw. Praktiken des Gemeinsamen im Prozess des Übernehmens, Adaptierens und Integrierens enttarnen. Der Fokus ihrer Arbeit beleuchtet die Beziehungen zwischen Österreich, der Schweiz und der Türkei in Gegenwart und Geschichte. Sie zeigt auf, dass Praxen und Artefakte des Alltags eine wichtige Integrationsleistung in der Verständigung der Kulturen sind bzw. auch immer schon waren. Der vermeintliche visuelle Bruch zwischen dem kurz Erzählten und den orientalisch anmutenden Stoffen entwirft Gedächtnisbilder des Annehmens: Es sind «Stoff – Erzählungen», die aus einer bestimmten kulturellen Prägung heraus gewoben aber mit kultureller Vielfalt verwoben sind. Die «Stoff – Erzählungen» sind zu einer Poesie des zuversichtlichen Umgangs mit Widerspruch, Fremdheit und Andersartigkeit geworden.