Sparkunst

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« Sparkunst » ist die Anschauung eines politischen Trauerspiels: Nachdem die Luzerner Bevölkerung der Steuerfusserhöhung eine Absage erteilt hat, und der Kantonsrat dennoch die Schuldenbremse für das Jahr 2017 nicht lockern will, hat der Regierungsrat für den Beschluss in der Septembersession des Kantons Luzern Sparen budgetiert. Mit einer Kürzung um 40 Prozent ist die Kulturförderung der freien Szene substanziell betroffen. Beiträge an Theaterproduktionen, Musikprojekte, Kunst- und Ausstellungsprojekte der bildenden und der angewandten Kunst sowie Verlagsförderung sollen gekürzt oder ganz gestrichen werden.

Video zur  Aktion am 26.08.2017 in Sursee: «visarte Aktion Sparmassnahmen 2017» von Esther Heeb

Video zur Aktion am 20.08.2017, Luzern: «Was bleibt übrig?» von Catherine Huth

  1. 40% der Identität
    40% der Identität
    Bleistift auf Papier
    35×50cm
    Luzern, Schweiz
  2. 40% Barbara ausradiert
    40% Barbara ausradiert
    Bleistift auf Papier
    35×50cm
    Luzern, Schweiz
  3. 40% kurzsichtig
    40% kurzsichtig
    Bleistift auf Papier
    35×50cm
    Luzern, Schweiz
  4. 40% Achim ist auch weg
    40% Achim ist auch weg
    Bleistift auf Papier
    35×50cm
    Luzern, Schweiz
  5. 40% quer drüber
    40% quer drüber
    Bleistift auf Papier
    35×50cm
    Luzern, Schweiz
  6. 40% Brett vor den Augen
    40% Brett vor den Augen
    Bleistift auf Papier
    35×50cm
    Sursee, Luzern
  7. Zeichnung: Karin Mairitsch, wegradiert von: Achim Schroeteler
    40% an der Zukunft
    Bleistift auf Papier
    35×50cm
    Sursee, Schweiz

In Reaktion darauf wehrte sich die visarte zentralschweiz gegen die Indienstnahme von Kunst & Kultur beim Sparen und organisierte die Aktion «Sparkunst». Sie rief damit zum Paradigmenwechsel in der Bildenden Kunst auf und regte an, leistungsgekürzte Kunst im öffentlichen Raum zu produzieren und zu zeigen. Bei der ersten Aktion am 20.08.2017 am Mühleplatz in Luzern trafen sich die Künstler/innen Thomas Aregger, Barbara Gwerder, Karin Mairitsch und Achim Schroeteler  erstmals und formierten sich rasch zu einer kooperativ agierenden Gruppe, die sich heute gerne als Kollektiv « Spargut » bezeichnet: sie wollten gemeinsam künstlerische Methoden und Prozesse ausloten, über die Sparen sichtbar gemacht werden konnte.

Für das Kollektiv « Spargut » bedeutet die Verabschiedung des Staats aus Kunst und Kultur den Auftakt in die Einfalt. Es wollte demnach zeigen, was spargeübte Bürger/innen und Sparwillige Politiker/innen nicht (mehr) sehen oder sehen wollen: die Auswirkungen des Sparens. 

In einer ersten Phase experimientierte das Kollektiv mit wegsparten oder wegradierten Strichen, gekürzten Flächen, fehlenden bzw. billigen Materialien und unfertigen Werken. Von der Arbeit wurden konsequent 40% abgezogen oder weggelassen. In Weiterentwicklung der künstlerischen Praxis stellte das Kollektiv « Spargut » fest, dass das Sparen nur dann nachvollziehbar wird, wenn aus gegenständlichen Bildern und da besonders Darstellungen von Menschen (z.B. Portraits) 40% entfernt oder ausgelassen werden. Gleichzeitig stellte sich immer wieder die Frage, wie der Akt des Sparens zu vollziehen sei oder wer den Sparstift letztlich ansetzt.

Hinsichtlich der Vorgangsweise bei der Reduktion (zumeist Gezeichnetes wegradieren) konnten unterschiedliche Herangehensweisen visuell erschlossen werden: flächendeckend sparen, linear sparen, punktuell sparen, an allen Ecken und Kanten sparen, quer drüber sparen, sparen an der Bruttofläche (inkl. Hintergrund) oder der Nettofläche (minus 40% von der künstlerisch bearbeiteten Fläche), sparen mit und ohne System.

Was die Spar-Vollzugsperson angeht, entwickelte das Kollektiv « Spargut » eine eigene Praxis: so gab es stets eine/n schaffende/n Bild-Autor/in (Passiven) und eine Spar-Künstler/in (Aktiven), die/der dem Bild 40% abzog, womit etwaige Verstrickungen verhindert werden konnten. Der Abzug vom Bild erfolgte entweder nach Fertigstellung des Werkes oder während dessen.

Bezogen auf den Produktionskontext künstlerischen Schaffens war ebenso Sparen angesagt: es wurde zunächst die Zeit limitiert. Die Bildwerdung durfte  maximal 10 Minuten dauern.  Zudem war der Produktionsplatz eingeschränkt: auf knappen Raum, oft weniger als 1 Quadratmeter, wurde gearbeitet, nicht selten beengt auch zu zweit. 

Nicht zuletzt wurde auch an Konzentration und Aufmerksamkeit gespart. Die Künstler/innen waren gleichzeitig damit beschäftigt, den Passant/innen und Modellen die politische Sachlage und die Methoden der Kunstaktion in Reaktion darauf zu erklären.

Alle Arbeiten sind direkt am Bild textiert und geben Aufschluss über den Produktionskontext. Ausgestellt wurden die Arbeiten gleichermassen sparsam im Rahmen des Aktionstages "Das kann nicht weg" am 08. September 2017: die Werke wurden billig an den Boden geklebt oder angelehnt. 

  • Teilnehmende Künstler/innen: Thomas Aregger, Barbara Gwerder, Karin Mairitsch und Achim Schroeteler
  • Sparkunstaktionen:  
  • 20.08.2017, 11:00 bis 14:00 Uhr, Mühlplatz Luzern
  • 26.08.2017, 11:00 bis 14:00 Uhr, Oberstadt Sursee
  • 07.09.2017, 19:00 bis 21:00, Bahnhofplatz Luzern
  • 08.09.2017, 18:00 bis 19:00, Bahnhofstrasse vor der Jesuitenkirche Luzern


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